Lisa, als eine von nur fünf Frauen bist Du im Pitztal gestartet. Warum machen beim Freeriden so wenige Frauen mit?

Diese Frage stelle ich mir auch immer wieder. Das Wildface gehört mit Sicherheit zu den längsten und schwersten Offpiste-Rennen. Aber dennoch gibt es mittlerweile zahlreiche Mädels, die auf einem hohen Niveau Skifahren, auf der Piste aber auch im Freeride-Bereich. Viele fahren aber glaube ich lieber für sich selbst und unternehmen gute Trips abseits des Renntrubels. Ist ja irgendwie auch ok.

Früher bist Du richtige Skirennen gefahren. Was waren Deine größten Erfolge?

Ja, eigentlich komme ich vom alpinen Skirennlauf und war auch seit meinem 14. Lebensjahr auf dem Skigymnasium im österreichischen Saalfelden. Das Skigeschäft ist knallhart, die Konkurrenz auch bei den Damen groß. Im entscheidenden Jahr (2005/2006) hat mich ein Virus erwischt und ich fiel die halbe Saison aus. Hinzu kam noch, dass ich eher ein Fliegengewicht unter den Abfahrern war, also war ich mehr oder weniger raus. Ich kam nicht – wie eigentlich erträumt – in den Kader und so wurde es immer schwieriger, auf professioneller Ebene weiter zu trainieren. Zeit, Geld, Motivation, das ist eben alles schwer aufzubringen. Ich fuhr noch zwei Saisons ganz gut bei FIS-Rennen mit, entschied mich dann allerdings dazu, mich auf den Arnol-Lunn-Weltcup zu fokussieren, auch Amateurweltcup genannt. Das ist eine Serie, die ähnlich aufgebaut ist, wie der Weltcup selbst: Es gibt Weltcuppunkte, Weltmeisterschaften und einen Gesamtweltcup. Startberechtigt sind allerdings nur „Amateure“, die per Definition keine 100% Unterstützung durch den jeweiligen Verband bekommen und noch nicht bei Europacups gestartet sind. Dort konnte ich dann 2009 den Gesamtweltcup gewinnen. 2010 wurde ich zweite in der Slalom-Gesamtwertung.

Wildface 2014, Foto: Daniel Zangerl

Seit wann fährst Du abseits der Piste und wie ist Dir der Übergang so gut gelungen? Du wurdest ja bei den Open Faces  (FWQ** Axamer Lizum) erste. 

Als ich in Innsbruck studierte, bekam ich natürlich mit, dass es auch ein Leben abseits der Piste gibt. Im Herbst fragte ich einfach mal bei meinem früheren Ausrüster Völkl, ob ich nicht einen Freeride Ski haben darf, denn ausprobieren wollte ich es ja schon mal im Tiefschnee. Von da an stellte ich die kurzen Rennski in die Ecke. Ich denke mir hilft es total, dass ich jahrelang an meiner Technik gefeilt habe und auch hohe Geschwindigkeiten und weite Sprünge (in der Abfahrt zum Beispiel) gewöhnt bin. Den Grundstein für Spaß im Tiefschnee hatte ich also gelegt. Wenn ich bei Contests starte versuche ich meist durch meine Technik und die Line zu punkten. Ich will mich nicht durch Cliffdrops bei fragwürdigen Bedingungen definieren – da geht mir die Gesundheit vor. Beim FWQ** 2013 hat eben diese Taktik ja auch ganz gut funktioniert.

Im Sommer bist Du beim Scott Contessa MTB Team vertreten. Auch hier liebst Du schnelles bergabfahren. Erzähl mal in ein paar Worten, wie Dein Sommer so aussieht. 

Der Sommer mit dem Contessa Team beginnt meist am Garadsee beim Bike Festival. Dort guiden wir Touren speziell für Mädels, geben Tipps zur Fahrtechnik und erklären alles zu den neuen Scott Bikes. Außerdem sind wir beim BikeFestival in Willingen sowie bei den drei Contessa Riding Days im deutschsprachigen Raum unterwegs. Das Guiden gehört genauso dazu wie Trips und Fotoshootings. Zusätzlich plane ich meistens einen Trip im Frühling: heuer war ich zum Beispiel mit meinem Freund auf den Äolischen Inseln, nördlich von Sizilien.

Was hast Du im Winter 2014/15 geplant?

Aktuell ist da noch ein weißer Fleck im Terminkalender. Ich würde gerne etwas häufiger in den Tiefschnee als letztes Jahr, das steht fest. Ansonsten habe ich ein paar Hüttentouren im Sinn. Mit einer Freundin würde ich gerne ein kleines Video-Projekt umsetzen, das sich von der typischen Szene abhebt. Aber das ist eher so eine Art Kunstprojekt.

Wie sieht Dein Freeride Traum aus?

Wie der Winter 2012 in Tirols Bergen: das war der schneereichste Winter, den ich in Innsbruck erlebt habe. Immer wieder hatte es zwischen 20 und 60 cm Neuschnee am Morgen und immer wieder ging es auf den Berg. Ansonsten fasziniert mich Skandinavien… aber wann ich einen Skitrip in meine Lebensplanung einbauen soll ist derzeit fraglich.

Wie verdienst Du Dein Geld?

Ich bin gerade mitten im Master Applied Economics – im Sommer mache ich dann hoffentlich meinen erfolgreichem Abschluss. Um mir Studium und Hobby zu finanzieren  begann  ich vor wenigen Jahren mit dem Label stricklisa und verkaufte Handarbeiten aus Wolle und Textil. Damit sicherte ich mir Anfangs ein gutes Zubrot. Mittlerweile arbeite ich aber bereits im Betrieb meiner Mutter und habe immer weniger Zeit zum Mützen stricken. Meine Mutter führt seit mittlerweile 25 Jahren ein Textil-Unternehmen mit Druckproduktion in Deutschland, was heutzutage ja gar nicht mehr selbstverständlich ist. Studium, Beruf und Hobby unter einen Hut zu bekommen ist zwar nicht immer leicht, aber natürlich gibt mir das lockere Arbeitsverhältnis die Möglichkeit der freien Zeitgestaltung: Dadurch komme ich natürlich leichter zu meinen Powderturns.

Dein Appell an die Frauen! 

„Einfach mal machen!“ An Offpist-Neulinge: Frauen die neu einsteigen rate ich, sich passende Ausrüstung zuzulegen (vor allem auch LVS, Schaufel & Sonde) und es einfach mal auszuprobieren. An Bergfexinnen: macht euer Ding. Wir können’s schließlich auch.