139 Pistenkilometer, 51 Liftanlagen, Schneesicherheit dank modernster Beschneiung, Familienfreundlichkeit, zahlreiche Attraktionen inner- und außerhalb des Skigebietes, für kleine und große Kinder. Die „Zillertal Arena“ fährt mächtig auf um Gäste aller Art zu bespaßen. Doch wie sieht es mit dem Freeride Potential rund um das Zilletaler Bergdorf Gerlos aus?

Pünktlich zu unserer Ankunft fing es an zu schneien. Während sich der Großteil der achtköpfigen Reisegruppe opferte um die Ferienwohnung auszustatten, setzte sich ein kleiner Zwei-Mann Trupp ab, um am Anreisetag schon mal im Schneegestöber zwischen den Bäumen zu spielen.

Anfangs merkte man unter den paar cm Neuschnee noch eine krustige Unterlage. Doch das sollte sich bald ändern und für einen halben ersten Tag braucht man doch nicht mehr, als einen alten Schlepplift am Skigebietsrand, an den sich sonst niemand verirrt und ein paar Bäume um in Glückseligkeit seine Aufwärmrunden zu drehen. Der Filzsteinlift hat abgeliefert.

Es schneite brav die ganze Nacht durch und am nächsten Morgen erwarteten uns Freshies und Bluebird Wetter in einem sehr ruhigen Skigebiet. Lang lebe die Nebensaison! Gleich nach dem Frühstück wurde erst mal das Teilgebiet Königsleiten befahren. Dank weniger Skifahrer am Berg herrschte heuer null Powderstress und wir konzentrierten uns bequem auf das Slackcountry  (neupowderisch für „lifterschlossene Varianten“) und ließen ersten fluffigen Powder fliegen. Unter den Liften und zwischen den Bäumen hörte man hier und da freudiges Jodeln vereinzelter Freerider.

Unterhalb der Dorfbahn 2 und der Panoramaalm finden sich verschiedene Varianten die dich wieder zurück zum Larmachlift oder auf einen Ziehweg und somit ins Dorf Königsleiten führen.

 

Erst gegen Mittag verspürten wir den Drang die Skier auf den Rücken zu schnallen und aus dem liftnahen Gelände zu entfliehen um weitere Firstlines zu ernten. Von der Königsleitenspitze aus führt ein kurzer Aufstieg zum Falschriedel. Der Hang wird oft und gerne gequert aber wer hier nicht faul ist kann mit wenig Hike eine gemütliche lange Abfahrt erreichen und wird im unteren Bereich der Fussalm wieder ausgespuckt.

Bis zum späten Nachmittag fielen große Teile der Gruppe der natürlichen Auslese zum Opfer und so zogen Sebastian mit dem glühenden Fotofinger und ich bis zum bitteren Ende einsam unsere Spuren in den unberührten Schnee im Krumbachtal.

 

krumbachtal (11)

Während des gesamten restlichen Aufenthalts sollten wir uns weiterhin am geringen Nebensaisonbetrieb erfreuen. Tage nach dem letzten Schneefall konnte man mit wenig Aufstieg viele Powderabfahrten machen und dabei nicht selten komplett unberührte Runs finden. Aus jahrelanger Erfahrung in diesem Gebiet kann ich aber sagen, dass dies an einem gut besuchten Ferientag auch mal ganz anders ausfallen kann, jedoch selbst dann merkt man immer noch einen deutlichen Unterschied zu Freeride Hotspots wie Hochfügen oder dem Arlberg.

Wer es gerne etwas steiler hat sollte sich auf dem Übergangsjoch einfach mal um 360° um die eigene Achse drehen und sich was Schönes rauspicken. Die Verbindung zwischen Gerlos und Zell am Ziller bietet zwischen Kreuzjoch und Rifflerkogel auch ein paar Hänge und Rinnen bei denen sich die Spreu vom Weizen trennt. Für die Zeller Seite gilt ebenso: Bei wenig Andrang gibt es zahlreiche Varianten im gesicherten Skiraum und es macht einfach Laune ungestört Runde um Runde zu drehen.

Zugegeben – für mich ist Gerlos wie eine zweite Heimat – das klassische „Ich war mit meinen Eltern jedes Jahr in … – Szenario“. Daher gehört für mich ein Trip ins Zillertal zu der Saison, wie der Tannenbaum zu Weihnachten. Hier ist das Freeride Angebot definitiv kein Schwerpunkt, denn die Zillertal Arena ist ein Familien & Fun Skigebiet. Aber genau das macht für uns den Charme aus. Weniger überlaufen und ohne Kämpfe um die besten Lines lässt es sich hier entspannt powdern.
www.gerlos.at

 

 

 

Wir sprachen auch mit Robert „Bobby“ Roos (Leiter der Hotzone School of Sowboarding)

Bobby, du bist schon seit vielen Jahren in Gerlos und wenn man Eure Social Media Kanäle verfolgt, weiß man, dass du gerne Powder fährst. Hast du über die Jahre eine Veränderung in punkto Freeride bemerkt?

Ja auf jeden Fall. 1989 war meine erste Saison in Gerlos und bis heute hat sich viel getan. Natürlich merkt man den Unterschied nicht so stark wie in Hotspots wie Hochfügen. Gerlos ist ein Familienskigebiet, aber auch hier sind Leute mehr an Freeride interessiert als vor ein paar Jahren. Manchmal ist das schade für uns, denn wir müssen öfter unsere Lines teilen ;-) Früher hat man nur selten Tourenskier und ein paar Snowboarder Offpiste getroffen. Heute sind viele, vor allem junge Leute beim Freeriden. Leider ist das nicht immer positiv. Viele Rider, egal ob Ski oder Board fahren einfach ohne nachzudenken ins Gelände, ohne Equipment und ohne Wissen.

Das fällt uns auch oft auf. Was denkst du woran das liegt?

Es gibt mittlerweile so viel tolles Material. Breite Skier, Rockerboards, Lawinenrucksäcke und top Kleidung und auch in den Medien ist das Thema viel präsenter geworden. Freeride ist cool und es wird einem sehr einfach gemacht, denn es gibt Apps und Seiten wo die bekanntesten Lines mit anderen Fahrern geteilt werden.

Ihr bietet auch Freeride Kurse an in der Hotzone, wird das Angebot gerne wahrgenommen? Gibt es vielleicht sogar schon Splitboard Anfragen?

Das Interesse ist definitiv gewachsen! Die Teilnehmer werden dann natürlich auch mit Schaufel, Sonde und LVS ausgestattet und lernen den Umgang mit dem Equipment bevor wir uns auf Powdersuche begeben. Die Skifahrer können das gleiche Angebot bei Michis Skischule finden. Wer Splitboards testen möchte, dem empfehle ich mit dem „Bluebird Mountain Hostel“ Kontakt aufzunehmen. Das ist ein cooles Hostel im Zillertal und die Betreiber Christiane und Waldemar bieten sogar Splitboard Camps an für die Gäste.

http://www.hotzone-gerlos.com/snowboard-unterricht-gerlos.html

http://www.bluebirdmountainhostel.com

 

Text: Alex Härtel
Fotos: Sebastian Labonte