Entscheidungen treffen – das ist eine der schwierigsten, immer wieder kehrenden  Aufgaben des Lebens. Die Wahl des richtigen Skis für die herrschenden Bedingungen etwa. Die Frage: „Will ich heute nur Freeriden oder auch Aufsteigen?“ stellt sich immer häufiger, wenn man auf der Suche nach fresh Tracks ist. Wer jetzt über verschiedene Ski-Sets verfügt (ein Freeride-Set kostet gut 700 Euro, eine Tourenski-Ausrüstung noch mal das Gleiche.), muss sich entscheiden. Dabei ist der Traum von einem Skiset für alles längst Realität. Den modernen Freeride-Bindungen sei es gedankt. Man muss nur einen einigermaßen leichten, breiten Ski wählen, einen Schuh mit Gehfunktion besitzen und ein paar Felle in den Rucksack stecken. Doch welches Bindungssystem eignet sich für wen? Eine Bindung muss vieles leisten: Robust und steif sein für direkte Kraftübertragung und das Abfedern von Sprüngen, als Sicherheitsbindung soll sie beim Sturz auslösen, der Ski darf jedoch nicht ungewollt auslösen (siehe Story Valluga Nord).

Klar: Eingefleischte Tourengeher denken über die hier vorgestellten Konzepte nicht eine Sekunde nach. Deren Rennbindungen ohne Stopper wiegen kaum 400 Gramm. Die eignen sich jedoch nicht für unseren Einsatzbereich, genauso wenig wie die schmalen Zahnstocher-Ski dieser Zielgruppe. Hier geht es um den optimalen Mix aus zwei Welten und der sieht so aus: Marker Duke und Salomon Guardian sind Nummer eins für alle, die nur selten ein paar Meter aufsteigen. Ihr hohes Gewicht macht Aufstiege über einer halben Stunde zur Qual. Die Tour F12 funktioniert in beiden Anforderungsbereichen sehr gut, ist eine gute Wahl für Fahrer unter – sagen wir – 80 Kilo weil der Z-Wert nur bis 12 reicht. Die one-for-all-Lösung bietet Dynafit. Sie ist superleicht und dennoch vertrauenerweckend in der Abfahrt. Für sie gilt aber auch der begrenzte Einsatzbereich durch den 12er Z-Wert. Für 2014 wird die Auswahl mit der auf der ISPO vorgestellten Diamir Zenith 12 und Dynafit Beast 16 noch größer – wir bleiben dran.

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Marker Duke 16

Der Pionier unter den aufstiegstauglichen Freeride-Bindungen. Sie ist massiv, steif, schwer, der Umschalt-Mechanismus liegt unter dem Schuh. Mit dem Z-Wert bis 16 passt sie für schwere Fahrer und harten Einsatz. Eine Top-Alpin-Bindung. Lange Aufstiege werden mit der Duke allerdings beschwerlich. Drei Höhen-Positionen möglich (flach, 7,5 cm und 10 cm), die Umstellung gelingt beim Laufen mit dem Skistock nicht zuverlässig. Die Duke gibt es in zwei Längen, je nach Schuhsohlenlänge. Mittlerweile als Duke EPF noch steifer geworden.

Preis: ca. 380 Euro Gewicht: 2790 g (L)

Fazit: Klarer Einsatzbereich: 85 Prozent Abfahrt, 15 Prozent Aufstieg

Marker Tour F12

Die Tour F12 geht als echte Tourenbindung durch und hält dennoch allen alpinen Belastungen stand. Sie bietet drei Höhen: flach, 9 und 12,5 cm, eine Schlaufe im Rahmen dient zur Umschaltung von Ski auf Kletter-Funktion. Mit einem Z-Wert von 4 bis 12 reicht die F12 für einen weiten Einsatzbereich aus, man muss sich genau überlegen, ob man sie nicht lieber der Duke vorzieht – zumindest wenn man häufig Aufstiege über 20 Minuten Dauer absolviert. Auch als Tour F10 erhältlich (bis Z-Wert 10). Zwei Größen (Sohlenlängen), weiter Verstellbereich der Länge.

Preis: ca, 330 Euro Gewicht: 1810 g (L)

Fazit: Die F12 taugt fürs Tourengehen sehr gut, die optimale Verbindung der zwei Welten. 50 Prozent Aufstieg, 50 Prozent Abfahrt.

Dynafit TLT Radical FT

Angeblich kommt der Trend zum Einsatz von Dynafit-Systemen beim Freeriding aus La Grave und Chamonix. Die Radical FT ist die einzige in der Dynafit-Palette, die für Ski breiter als 110 Millimeter passt (Stopper bis 130 mm). Der Shock-Absorber soll die Platte versteifen, davon spürt man in der Praxis wenig. Z-Wert 5-12. Sehr schwere oder aggressive Fahrer müssen sich überlegen, ob die Dynafit die richtige Wahl ist. Flacher Stand auf dem Ski, das Aufsteigen ist konkurrenzlos gut. Das liegt am optimalen Drehpunkt aber auch daran, dass man kein zusätzliches Gewicht bei jedem Schritt mit der Ferse anheben muss. Drei Positionen stehen auch hier zur Wahl: flach, 7,5 und 10 cm Fersenunterstützung. Achtung: Für Dynafit braucht man Schuhe mit entsprechenden Einsätzen. Die Radical FT ist keine Sicherheitsbindung im üblichen Sinn. Begrenzter Verstellbereich der Sohlenlänge.

Preis: ca. 500 Euro Gewicht: 1190 g

Fazit: High-End-Produkt für Leute, die genau wissen was sie wollen. Wird man künftig häufiger auf breiten Ski entdecken. 60 Prozent Aufstieg, 40 Prozent Abfahrt.

Salomon Guardian 16 WTR

Die Guardian (und baugleiche Modelle unter anderem Namen) ist die echte Alternative zu Markers Duke. Sie ist breit aufgebaut und sehr steif, allerdings auch die schwerste im Vergleich. Das Alu-Chassis mit den fetten Backen wirkt enorm robust und verwindungssteifer als bei Duke oder Tour F12. Z-Wert 7-16. Die tiefe Standfläche (ein cm tiefer als Duke) bietet optimale Kraftübertragung, das Umschalten von Abfahrt zu Aufstieg geht per Skistock auch ohne auszuklicken (allerdings muss man ja zum Auffellen eh aussteigen). Drei Steighilfen: flach, 6 und 10,5 cm. Das Umschalten gelingt nicht immer einfach, das können F12 und Dynafit besser.

Preis: ca. 380 Euro Gewicht: 2960 g (L)

Fazit: Auch für die Guardian gilt: Top-Freeride-Bindung, 90 Prozent Abfahrt, 10 Prozent Aufstieg.