Hymer Exsis-i 578 aka Betty

Das wohl kürzeste Brainstorming der Welt hatte schon nach dem ersten Namensvorschlag ein Ende gefunden. „Betty“ sollte unser Gefährt heißen. Elegant, gutaussehend, und mit überzeugenden inneren Werten in Palatino Creme, stand Mitte April 2017 mit Betty alias Hymermobil Exsis-i 578 eine echte Traumlady vor uns. 2,7 Tonnen geballte Skihüttenatmosphäre warteten nur darauf, mit uns die langersehnte Reise nach Norwegen anzutreten. Spätestens als wir vier Bewohner auf Zeit damit begannen, Betty mit gefühlt 15 Paar Ski, acht Kilogramm Maultaschen und mehreren Paletten Bier zu beladen, wurde sich die feine Dame bewusst, dass die kommenden Tage zu einem echten Abenteuer werden könnten. Beim ambitionierten Vorhaben, das Wohnmobil vor der Abfahrt mit Lebensmitteln für vier Personen und knapp 3 Wochen zu beladen, entpuppte sich Betty als echtes Platzwunder. Ausrüstung, Verpflegung und die nicht zu verachtende Menge an Motivation fanden ohne Probleme Platz im Flaggschiff und es konnte endlich losgehen.

Palatino Creme

Um von Dänemark nach Norwegen überzusetzen, mussten wir Betty, aufgrund mangelnder Schwimmfähigkeiten auf einer Fähre parkieren. Schweren Herzens verließen wir unsere – schon jetzt – geliebte Unterkunft. Den verlockenden Gedanken, uns im Wohnmobil zu verstecken, statt die viel zu kleine Kabine an Deck zu beziehen, überwanden wir nur mit großer Selbstbeherrschung. Leider blieb die Gewissheit, dass unser Nachtlager im Wohnmobil-Parkdeck um ein vielfaches bequemer gewesen wäre, über die kompletten 12 Stunden der Fährfahrt bestehen. Die Bezeichnung „Bett“ hatten die Liegemöglichkeiten an Bord der Fähre beim besten Willen nicht verdient. Vielleicht waren wir aber auch schon verwöhnt.

Im norwegischen Bergen rollten wir vom Schiff und los ging die wilde Fahrt. Schon nach den ersten Kilometern lag Schnee auf der Straße und wir bemerkten besorgt, dass wir keine Schneeketten an Bord hatten. Betty meisterte alle Untergründe auch ohne diese Hilfsmittel und schon bald cruisten wir in den Zielort Andalsnes und die ersten Skitouren konnten starten.

Schulterblick ins Cockpit

Alternative Innenraumnutzung

Hatten sich die fleißigen Ingenieure und Innendesigner beim Bau des Exsis-i noch komfortliebende Luxusurlauber in der schnieken Nasszelle vorgestellt, so waren die einzigen Benutzer derselben auf unserer Reise massenweise Hopfengetränke, Süßigkeiten und stinkende Kleidungsstücke. „Optimal, dass wir im Bad eine Lüftung haben,“ bemerkte Profi-Beifahrer Lukas nach der ersten Skitour, zufrieden grinsend mit seinen benutzten Skisocken in der Hand.

Die richtige Beschreibung des geräumigen Stauraums im hinteren Bereich des Exsis-i trifft begrifflich wohl das genaue Gegenteil der Nasszelle am besten. Zumindest verwendeten wir unsere „Garage“ hauptsächlich zum Lagern und Trocknen der Ski-Ausrüstung. Nach einer Sicherheitsentlüftung von mindestens drei Minuten konnten die am vergangenen Tag eingelegten nassen Kleidungsstücke und Skischuhe, trockenen Zustands entnommen werden. Es war nicht zu fassen. Durchnässte Klamotten und Schuhe und damit der einzige Negativ-Aspekt einer Camping-Reise in Verbindung mit Skifahren, war dank Betty völlig hinfällig geworden. Uns erwartete tatsächlich ein funktionsfähiger, beheizter Skischuhraum, den wir nicht einmal in einem Hotel zwingend vorausgesetzt hätten. Betty wusste eben uns zu überzeugen.

Betty ausgeräumt

Schneeflocken fallen auf unseren Standplatz. Bei einem Kartenspiel trinken wir Bier und essen – na klar, Maultaschen. Immer wieder fällt der überprüfende Blick auf die technische Übersichtsleiste an der Tür. „Noch 50% Strom und 70% Wasser,“ gibt Thomas zufrieden den Ressourcen-Status durch. Nicht ein einziges Mal kamen wir dank dieser enorm hilfreichen Einrichtung in die Situation, ohne Strom, Gas oder Wasser dazustehen. Dies wäre bei unserer Begeisterung für die norwegischen Berge ohne dieses Hilfsmittel sicher das ein oder andere Mal untergegangen. Die Nummer eins unserer Lieblings-Features des Hymermobils wurde jedoch schnell der große Kartenhalter in der Mitte der Armaturenkonsole. Dank eingebautem Navigationssystem musste dieser nicht in seinem ursprünglichen Zweck gebraucht werden. So thronte schon bald eine To-Do-Liste mit norwegischen Skitouren-Bergen hinter der Windschutzscheibe, die wir im Laufe unseres Aufenthalts – wohlgemerkt ohne das Wohnmobil – abhaken wollten.

To-Do Liste

Bettys Bordelektronik oder: die inneren Werte

Mit einem markdurchdringenden BEEEEEEP machte die Bordelektronik beim Starten des Motors am nächsten Morgen darauf aufmerksam, dass die Trittstufe noch ausgefahren war. Wäre die hydraulische Ein-und Ausstiegshilfe nicht am Wohnmobil befestigt gewesen, so hätten wir diese bei jedem zweiten Losfahren hoffnungslos am Fjordufer vergessen. Spätestens nach dem dritten Mal, als das Alarmgeräusch zum Running-Gag mutierte. Die Reaktionskette setzte sich in den meisten Fällen so fort, dass das Gelächter über den Trittstufen-Klassiker den Fahrer vom Lösen der Handbremse ablenkte. Laute Anfahrtsgeräusche und hohe Motorendrehzahlen bei exakt Null km/h Geschwindigkeit verursachten vor allem an vielbevölkerten Orten wirre Blicke der einheimischen Norweger. Bei eingeklappter Trittstufe und gelöster Handbremse fuhr Betty dann auch. Die bequemen Sitze, das Aktivieren des Tempomats und ein unvergleichlich angenehmes Fahrgefühl ließen dem Fahrer das ein oder andere Mal ein Grinsen über die Mundwinkel huschen. Betty schlängelte sich so geschmeidig durch die norwegischen Fjorde, dass wir des Öfteren während dem Fahren gerne Suppe auf dem Gasherd gekocht hätten –das haben wir uns dann doch nicht getraut – auch wenn wir sicher sind, dass es auch dafür ein Warngeräusch gegeben hätte. Wir sagen danke Betty!

Betty und die Boys