Im Test: Scott S1 Carbon

Die Firma Scott aus dem schweizerischen Givisiez stellte auf der ISPO 2017 eine besondere Neuheit vor. Einen Skitourenschuh, bei dem die Blockade des Gehmechanismus an der Vorderseite angebracht ist. Das soll die Bedienbarkeit während einer Skitour deutlich vereinfachen, die Schaftrotation im walk-mode verbessern und zusätzlich für ein Maximum an Abfahrtsperformance sorgen. (Hört sich ja fast nach der eierlegenden Woll-Milch-Sau an!) Wir wollten es genau wissen und haben den Scott S1 Carbon in der vergangenen Saison getestet.

Erster Eindruck

Als wir uns den Scott S1 Carbon das erste Mal ansahen, wirkte er noch wie ein etwas unförmiger Astronautenschuh. Die Schale besteht aus Grilamid, kombiniert mit einigen Carboneinsätzen. Der extra breite Powerstrap am Schienbein scheint solide zu sein und ist in die oberste von drei Schnallen integriert. Das Gegenstück der mittleren und unteren Schnalle ist aus einer Gummimischung und daher leicht flexibel. Werden die Schnallen fixiert entsteht so kein punktueller Druck am Spann, sondern der Fuß wird sauber umschlossen. Der Innenschuh ist zum großen Teil mit einer Oberfläche aus Leder versehen. Das sorgt für ein wertiges Erscheinungsbild und lässt ihn sauber in die Schale gleiten. Die Schnürung rundet das Bild ab und sorgt für einen luftleeren Raum zwischen Innenschuh und dem Träger. Als letzter Punkt sei hier die komplett wechselbare Sohle erwähnt. So kann der Schuh auch nach vielen Tagen auf Skitour wieder mit einem griffigen Unterbau versorgt werden.

Praxistest

Die extrem großflächige Zunge der Schale lässt sich wie bei einem klassischen Skitourenschuh weit öffnen und sorgt für einen bequemen Einstieg.

Mit dem extra breiten Strap lässt sich ein satter Druck aufbauen und der obere Teil des Schuhs umschließt das Bein ohne dass Hohlräume entstehen. Ist alles fixiert, wird das Gefühl vermittelt, einen reinen Freeride/Alpin Boot am Fuß zu tragen. Einzig die Schaftlänge ist für große Fahrer etwas zu gering. Das hat zur Folge, dass bei sehr hohem Tempo teilweise die Kontrolle etwas abnimmt. Das Gefühl, dass die seitliche Stabilität nicht mehr ausreichend vorhanden ist nimmt zu.

Im Aufstieg hinterließ besonders der Innenschuh einen überzeugenden Eindruck. Auch ohne eine individuelle Anpassung im Vorfeld kam es nie zu Blasenbildung.

Die Entriegelung des Gehmechanismus erfolgt lediglich durch die Öffnung der mittleren Schnalle. Mit dem Gehmechanismus an der Vorderseite ist es Scott gelungen, einen einzigartigen Bewegungsradius zu schaffen. . Dadurch, dass der Schaft nicht mehr an der Hinterseite am Unterschuh fixiert werden muss erfolgt die Schaftrotation nach hinten sprichwörtlich reibungslos. So können größere Schritte gemacht werden, ohne dass die Schale auf der Rückseite in die Wadenmuskulatur drückt.

Fazit

Das Angebot an Skitourenschuhen wird immer differenzierter und bei so manchem Trend muss man sich fragen, ob es das wirklich braucht. Der Skischuh ist elementarer Bestandteil der Ausrüstung, da es eine direkte Verbindung zum Sportler, bzw. zur Sportlerin gibt. Deshalb spielt die Passform eine sehr große Rolle. Das wurde von Scott mit dem S1 Carbon sehr gut gelöst. Die Konstruktion des Liners mit Schnürung, Lederbesatz und einem hochwertigen Schaum sorgen für ein hohes Maß an Komfort. Der Schuh wurde mit leichten und mittelschweren Ski aus der Freetouring Kategorie getestet. Dabei war immer eine Pin-Bindung montiert. Für einen Schuh der ersten Modellgeneration wirkt der S1 schon sehr weit entwickelt. An der Passform muss nicht mehr viel verändert werden. Die Verriegelung an der Front ist nicht nur ein optischer Hingucker, sondern sorgt auch durchaus für einen Zugewinn von Bewegungsfreiheit und mehr Komfort bei der Bedienung im Gelände.

Die technischen Daten zum Scott S1 Carbon:

  • Flex-Index: 130
  • Leistenbreite: 101mm
  • Vorlagewinkel im Abfahrtsmodus: 11,5 Grad
  • Schaftrotation: 60 Grad
  • Gewicht: 1350 Gramm pro Schuh (Größe 26.5)
  • Dynafit-zertifizierte Tech-Inserts
  • UVP: 749,95€