Die Marker Alpinist im Test!

Test: Carla Brandt

2 Jahre, 4000 Stunden und Produktionskosten von mehr als einer Million Euro hat Marker in die Alpinist investiert. Dabei sind 80 Einzelteile verbaut, von denen 99% neu entwickelt wurden. Das Ergebnis ist eine Bindung, die sich mit federleichten 245g (ohne Stopper) präsentiert. Sie ist aber nicht nur leicht, sondern hat auch sonst einiges zu bieten.

Marker predigt die 3 Schlagworte der Alpinist:

LIGHT
EASY TO HANDLE
FULLY EQUIPPED

KEY FACTS

Der Vorderbacken präsentiert sich designtechnisch ähnlich zum KingPin Vorderbacken. Der Carbon Aufbau trägt seinen Teil zum geringen Gewicht der Bindung bei. Die zwei Federn, die in einem steilen Winkel zueinanderstehen, gewährleisten eine hohe Schlusskraft. Die Anti Ice Beschichtung, die sich als Elastomer unterhalb der zwei Federn befindet, sticht besonders hervor. Durch die Vibrationen, die beim Hochsteigen entstehen und das Elastomer in Schwingung bringen, entsteht erst gar kein Eis unter den Federn. Gute Vibes also für einen leichten Einstieg nach dem Umbau auf Abfahrtsmodus. Die gleiche Beschichtung befindet sich auch am Hinterbacken.

Die Bindung kann nach Montage noch um 15mm verstellt werden und passt somit auch, wenn man sie mit zwei verschiedenen Schuhen bedient. Zusätzlich besitzt sie einen dynamischen Längenausgleich von 4mm. Dieser bietet Stabilität und hohe Auslösesicherheit, wenn der Ski flext. Für Harscheisen gibt es eine Befestigungsmöglichkeit am Vorderbacken, die durch einen Plastikdummy ersetzt werden kann, wenn man sie nicht braucht. Das optimiert das Gewicht nochmals um einige Gramm. Der Stopper, der das Gewicht der Bindung auf 335g erhöht und etwa 80€ extra kostet, kommt in den Breiten 90/105/115mm. Das heißt, auch eure breiten Ski sind heiße Kandidaten für die Alpinist.

Die Marker Alpinist gibt es in zwei verschiedenen Z-Wert Ausführungen: entweder von 4 bis 9 oder von 6 bis 12. Die Skala zur richtigen Einstellung befindet sich leicht ersichtlich am Hinterbacken. Der Z-Wert des Vorderbackens ist laut Herstellerangaben auf 12 festgelegt.

TEST

Nach dem Release des neuen Produkts im Marker-Bindungsstall erfolgte sogleich der zweitägige Praxistest im tief verschneiten Aostatal.

Montiert auf den Völkl VTA 98 zeigt sich die Marker Alpinist als echtes Federgewicht. Der Einstieg gestaltet sich aufgrund der farbigen Markierung als sehr einfach. Die Pins schnappen zu, man bückt sich kurz zur Aufstiegsarretierung und der Hinterbacken wird um 180° gedreht. So kann man entspannt im anfänglich flachen Gelände von Crévacol im 0° Winkel gehen und dann, sobald es steiler wird, den roten Hebel umlegen, um mit einer Steighilfe von 9° weiterzulaufen. Das Handling ist intuitiv und fällt mit dem Skistock leichter als beispielsweise das Wechseln der Steighilfen bei der Dynafit Radical 2.0.

Wer einen flexiblen Schuh hat, der dreht den Hinterbacken gar nicht erst. Man legt nur den roten Hebel um und steigt komplett mit 5° auf. Schnellerer Umbau ist damit am Gipfel garantiert!

Fährt man mit Stopper, muss man an der kleinen, etwas unhandlichen Lasche ziehen, um den Stopper nach dem Aufstieg in seine Position zu bringen. Hier wird sich Marker sicherlich noch eine Verbesserung ausdenken.

Unser Test erfolgt mit einem abfahrtsorientierten, stabilen Schuh, weshalb am Gipfel der Hinterbacken gedreht wird, bevor man in die Bindung einsteigt. Es liegen 30 cm frischer Puder und trotzdem sitzt der Skischuh beim ersten Versuch in den Pins. Bäm! Die Anti Ice Beschichtung scheint zu funktionieren. Viele gute Vibes, die das Elastomer zum Schwingen bringen und den Vorderbacken somit „selbst enteisen“. Kein Kratzen, keine Fehlversuche. Da geht’s direkt zur Abfahrt!

Gigantische Tree Runs erwarten uns. Die Bindung hält, obwohl ein eher konservativer Z-Wert eingestellt wurde. Auch die seitliche Auslösung lässt sich im Trockentest gut simulieren.

Fazit & Anwendung für uns als Freerider

Im Kurztest nach zwei Tagen Skitour zeigt sich die neue Marker Alpinist als sehr bedienungsfreundlich und handlich. Abzuwarten bleibt sicherlich ein Langzeittest und eine Montage auf Ski mit einer Mitte von mehr als 100mm. Auch an der Bedienung des Stoppers kann Marker noch nachbessern. Der vereinfachte Einstieg und das Anti Ice Elastomer überzeugen bei kalten und schneereichen Bedingungen. Das geringe Gewicht der Bindung sorgt bei einem entsprechenden Ski natürlich auch für ein geringes Gesamtgewicht, was unter Umständen zu Lasten der Abfahrtsperformance geht. Wir empfehlen einen durchaus stabilen Ski um die 100mm. In dieser Kombination ist die Bindung mit ihrem Vergleichsweise hohen Z-Wert und dem Längenausgleich im Hinterbacken auch für schnelle und aggressive Runs nach langen Aufstiegen geeignet. Egal ob steiler Nordhang oder enge Rinne, für die etwas exotischeren Projekte, die auch lange Aufstiege von uns fordern, scheint die Alpinist ein idealer Begleiter zu sein. Überzeugen kann auch der Preis von 300€ bzw. 320€ exklusive Stopper.

Marker hat mit der Alpinist nicht nur ein Bein in der Tür des As-Light-As-Possible-Business gestellt. Der bayerische Bindungsspezialist hat es geschafft, auch mit 2 Beinen in die Dynafit-dominierte Branche zu grätschen.