F16-Voltair-20-Backpack-CayenneEine Überraschung des Winters 2016 kommt von Arc’teryx, die den Hardwaremarkt mit einem Skischuh und Lawinenrucksack erobern möchten. Hendrik Morkel war vor Ort in Kanada bei der Vorstellung des Voltair Lawinenrucksacks & Procline Carbon Lite Skischuhs und hat sie im Kanadischen Backcountry probieren können. Hier sein erster Eindruck von diesen zwei Neuheiten.

Arc’teryx Voltair Avalanche Airbag Rucksack

Der Arc’teryx Voltair Avalanche Airbag Rucksack bringt frischen Wind in den Lawinenrucksackmarkt. Arc’teryx hat sich über sechs Jahre Zeit genommen bis der Voltair soweit war, dass er der Welt präsentiert werden konnte. Die beiden Designer Gordon Rose und Peter Hill haben zahlreiche Prototypen konstruiert, bis sie zufrieden waren – allein 22 Designs für den Propeller und unzählige Batterien wurden getestet. Wer nun hört, dass es ein elektrischer Lawinenrucksack ist, wird sicher Ähnlichkeiten zu den Jetforce Rucksäcken von Pieps und Black Diamond vermuten, liegt damit aber falsch. Der Voltair wurde von Grund auf von den Arc’teryx Designern entwickelt und weist so gut wie keine Gemeinsamkeiten zur Jetforce Technologie auf.

Das Herz des Voltair Rucksacks ist die wiederaufladbare 22.2 V Lithium Polymer Batterie, welche zwischen 4 und 8 Einsätze erlaubt – bei bis zu -30°C. Dies lässt es zu, dass der Benutzer sich mit dem Rucksack vertraut machen & das Auslösen des Ballons üben kann, so dass man im Lawinen-Ernstfall weiss, was passiert. Sicherlich ist es keine alltägliche Situation, einen 150 l Ballon um den Kopf herum zu haben.

Die Batterie kann zudem einfach aus dem Rucksack entfernt werden, was Flugreisen leichter macht, denn Batterien dürfen nicht im eingecheckten Gepäck transportiert werden. Die Batterie ist einfach an- und auszuschalten und hinter einem seitlichen Reissverschluss zugänglich, während ein grünes LED Licht an der Seite die Einsatzbereitschaft des Rucksacks anzeigt. Mit 800 g ist die Batterie nicht wirklich leicht.

Der griffige Auslösegriff ist mit einem Stahlkabel verbunden, das den Rucksack mechanisch auslöst. Arc’teryx wollte eine Auslösung bei allen Temperaturen garantieren. Während elektronische Systeme viele Spielereien zulassen sind sie anfälliger bei kaltem Winter-Wetter. Die mechanische Auslösung funktioniert auch bei -30°C und wenn der Rucksack eine ganze Nacht draussen gelegen hat. Ein einfacher Ruck und der Ballon entfaltet sich in unter 5 Sekunden hinter Nacken und Kopf. Dabei ist der Druck so groß, dass der Ballon sich selbst dann aufbläst wenn der Verschluss gefroren sein sollte. Der Ballon vergrößert das Volumen des Trägers und hilft dadurch in einer Lawinen an der Oberfläche zu bleiben, wie bei anderen Systemen auch.

Das zweite Herzstück des Rucksacks ist das spezialangefertigte Zentrifugalgebläse, welches den Druck auch in sehr schlechten Wetterkonditionen garantiert. Der hohe Druck des Gebläses vergrößert den Ballon in unter 5 Sekunden – auch wenn der Ballon kleine Risse oder Einstiche haben sollte. Der einfach zu benutzende Beinschlaufen-Gurt ist von Eiskletter-Clips inspiriert und kann auch mit Handschuhen einfach ein- und ausgeklippt werden. Der Gurt ist komfortabel und garantiert, dass der Rucksack und Ballon in einer Lawine sicher am Körper bleiben. Man fühlt ihn kaum beim Skitouren und Abfahren. Nach einer Benutzung kann der Ballon in knapp zwei Minuten wieder einsatzbereit verpackt werden – bereit für den nächsten Powderrun! Dabei wird der Ballon einfach zurück in das Ballonfach gepackt. Man muss dabei keiner spezielle Faltanleitung folgen. Der Ballon wird mittels eines Röhrchen entleert und dann in das Fach gesteckt, anschließend werden nur der spezielle Reissverschluss und die Klappe geschlossen.

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Der knallrote Auslösegriff des Voltair ist gut erreichbar und wird mit einer 180 Grad-Drehung entsichert. Eine sichtbare Anzeige signalisiert die Entsicherung.

Der Rucksack ist aus dem wasserfesten, getapten AC2 Material gefertigt, welches wir schon von den Alpinrücksäcken der Kanadier kennen und hat nur drei Fächer: Ein Frontfach für die Lawinenausrüstung, ein Hauptfach für die Ausrüstung sowie das Ballonfach. Der Rucksack kommt in zwei Größen, 20 l und 30 l.

Es war kein Problem zwei Kameras, Pausenbrote, Thermosflasche, ein kleines Stativ sowie extra Kleidung im 30 l Rucksack unterzubringen.

Der Voltair kostet 1550€ bei 20 l Volumen und 1650€ für 30 l und wird ab Herbst 2016 erhältlich sein.

Hendrik Morkel ist freischaffender Fotograf & Journalist und schreibt Skandinavien’s meist-gelesenes Outdoor Blog:
Hiking in Finland.

Im Test: Arc’teryx Procline Carbon Lite Skischuh